HOCHSPRUNG-TECHNIK.DE
Der Dreh mit dem Flop

Liebe Kollegen und Kolleginnen.

Seit Mitte der 70er habe ich in zahlreichen Fachzeitschriften Artikel veröffentlicht, um darauf hinzuweisen, dass die klassische Beschreibung der Flop-Technik (wie schon 10 Jahre zuvor die der Straddle-Technik) in mehreren entscheidenden Belangen biomechanisch falsch ist und so auch keine korrekten Unterweisungsformen begründen konnte.

Im Gegenteil: Der klassische methodische Weg macht das Erlernen der an sich recht einfachen Floptechnik ziemlich unmöglich. Die Fachwelt muss .m.E. radikal umdenken, und zwar aus Verantwortung gegenüber jedem einzelnen Schüler und erst recht um der Talente, die falsch angeleitet, nicht zur vollen Entfaltung ihrer Potentiale gelangen.

Ob ich mit dieser Forderung richtig liege, kann natürlich zunächst einmal nur jeder einzelne Lehrer oder Trainer für sich selbst entscheiden. Du dazu möchte ich Dich animieren und inspirieren. In meiner Praxis hat sich die hier vorgestellte Methode in hoch erfreulicher Weise bewährt. Warum sollte das in Deiner Praxis andres sein?

DIE KLASSISCHEN FEHLER (F1-7)

Mit folgenden Vorstellungen treiben wir unsere Schüler und Schützlinge von Anfang an in eine Sackgasse von technischen Fehlern:

F1 Man muss möglichst schnell anlaufen.

F2 Man muss sich anstrengen, so hoch wie möglich zu springen.

F3 Man muss weit hinter der Latte landen.

F4 Man muss über der Latte unbedingt tüchtig ins Hohlkreuz gehen und den Kopf in den Nacken werfen. („In die Bogenspannung gehen“)

F5 Man muss sich beim Absprung um die Körperlängsachse drehen und dazu das Schwungbein von der Latte weg herumreiβen.

F6 Man muss beim Absprung Rückwärtsrotation einleiten (indem man Kopf, rumpf und Arme nach hinten wirft.

F7 Man muss zur Überquerung der Beine ein Klappmesser machen.

Von all diesen Dingen ist aber in den Filmanalysen der Sprünge von Dick Fosbury und seinem ersten groβen Nachfolger Dwight Stones fast nichts zu sehen. Sie wurden erst von den Theoretikern hineininterpretiert. Und nach diesen Fehlvorstellungen angeleitet, haben Generationen von Kindern und Jugendlichen den Flop falsch gelernt. Haben also nie die Erfolgserlebnisse gehabt, die sie hätten haben können.

Nur die wenigen talentierten Sportler haben es geschafft, es trotzdem einigermaβen richtig zu erlernen. Und selbst im Spitzensport sieht man Springer, deren Technik an den Spätfolgen anfänglicher Fehlvorstellungen oder fehlerhafter Anleitung leidet.

KURZE BEGRÜNDUNGEN (B1-7)

B1 Wenn man mit mehr Geschwindigkeit anläuft, als man mit seiner gegebenen Sprungkraft in einen Sprung nach oben umsetzen kann, dann kommt es beim Absprung zu einem Bremsstoβ, der die Muskeln überlastet und fehlbelastet und den gesamten Bewegungsablauf zusammenbrechen lässt.

Wenn man dagegen „zu langsam“ anläuft, kann man die richtige Technik immer noch durchführen und einstudieren, und sich dann von Versuch zu Versuch an die optimale Anlaufgeschwindigkeit herantasten. Dasselbe gilt für den Weitsprung. Immer ist ein ruhiger, flieβender, beherrschter Anlauf anzustreben.

B2 Anfänger steuern ihre Bewegungen fast nur mit dem Kopf. Wenn sie hoch hinaus wollen, springen sie folglich mit dem Kopf weit nach oben. Dadurch wird aber die richtige Flop-Überquerung unmöglich, denn der Rumpf bleibt aufrecht anstatt in die Waagerechte zu kippen. So kann der Unterkörper nicht steigen. Und um die Beine zu heben, wird eine ruckartige Klappmesser-Bewegung nötig, wobei Kopf und Füβe hoch über der Latte schweben und der Hintern durchhängt und die Latte mitnimmt.

Wenn die Latte nicht über Brusthöhe liegt, befindet sich der Kopf ja schon vor dem Absprung oberhalb der Latte. Er muss also gar nicht sehr viel höher fliegen. Im Gegenteil: Hinter der Latte muss er sinken (tauchen), damit die Beine steigen können, die ja von ganz unten kommen. Der Kopf muss also nicht nach oben fliegen sondern hinter der Latte nach unten geführt werden. Und dafür ist eine bestimmte Art von Flugrotation erforderlich, die verstanden und erlernt werden muss.

B3 Wenn man weit hinter die Latte springt, aus Angst, sie nicht zu überqueren und die Matte nicht zu erreichen, dann liegt der Höhepunkt der Flugparabel nicht genau über der Latte sondern weit hinter ihr. Man überquert also die Latte und steigt noch eine Weile weiter. Und dieser Höhenflug nützt der Hochsprungleistung nichts.

Da man gleich nach dem Absprung überqueren muss, hat man die maximale Höhe noch gar nicht erreicht. Schlimmer noch: auch die Rotation hat gerade erst begonnen, die Beine hängen also noch ziemlich tief, reiβen also, bevor sie die Lattenhöhe erreichen können. Und wenn sie dann gerissen haben, steigen sie erst richtig.

Wenn der Fluggipfel sich dagegen genau über der Latte befindet, dann befindet sich die erste Hälfte des Fluges VOR der Latte, also auch vor der Mattenkante. Und dieser Flug über dem nackten Boden ist beängstigend. Da muss man sich durch richtiges üben erst dran gewöhnen!

Kopfgesteuert denkt man auch, „Hauptsache der Kopf kommt rüber. Und dann nichts wie weg!“ Aber beim Hochspringen muss man mit Kopf und Körper „um die Latte herumspringen. Ihre Nähe suchen.

B4 Die Bogenspannung über der Latte hat nur einen technischen Zweck. sie erzeugt nicht die Rotation um die Latte herum, sie beschleunigt sie nicht (im Gegenteil) und sie kann sie nicht ersetzen. Es geht nur darum, den Po zu heben, wenn er überquert. Das bringt maximal 5cm Höhengewinn. vor und nach der Überquerung des Pos genügt eine gerade und unverspannte Körperhaltung mit gebeugten Knien.

Der Kopf im Genick bringt dagegen höchstens noch 2cm, und dies auch nur, wenn alles andere perfekt ist. Dafür birgt dieses Verhalten aber einige Nachteile und Gefahren.

Die Wichtigkeit der Bogenspannung wird also weithin und bei weitem überschätzt. Unterschätzt werden dagegen die Folgen dieses Irrglaubens: Bei Sprunghöhen unter Körpergröβe ist die Flugdauer (abhängig von der Flughöhe des KSP) so gering, dass für eine klare Trennung von Absprung/Überquerung/Landung gar keine Zeit ist. Der Flug dauert bei Anfängern wenige als eine halbe Sekunde, so wenig wie zwei Sprintschritte. Und das ist nicht genug, um aus der Absprunghaltung in eine ausgeprägte Überquerungshaltung zu gelangen und diese vor der Landung wieder aufzulösen.

Wird dies aber versucht oder gar verlangt, so wird die Bogenspannung schon vor dem Ende des Absprungs  eingenommen, und so der Absprung in seiner Dynamik wie in seiner Steuerung  verfehlt.

Richtig Anlaufen, Abspringen, Rotieren und Landen haben daher absolute Priorität gegenüber dem Flugverhalten. Aus einer locker geraden Hüfthaltung, wie sie ja schon beim Absprung besteht, in die die Überstreckung zu gehen, ist das letzte aller Register, die man ziehen darf. Viel wichtiger ist in den ersten Jahren des Lernens, das Kinn auf die Brust zu legen und somit seinen Köpper und Latte, vor allem die Kniekehlen, währende des  Fluges im Blick zu halten, um zu kontrollieren, was man macht und um es steuern und beim nächsten Versuch korrigieren zu können.

Die Weltklassespringer sind als Vorbilder nicht geeignet, denn sie agieren am äuβersten Limit. sie können es schon, was alle anderen gerade erst einüben und vielleicht niemals vollständig beherrschen werden. Man muss gesehen haben, wie sie sich bei niedrigen Höhen einspringen. Nämlich mit Schersprüngen in Kurvenlage, und mit blickgesteuerten Überquerungen in lockerer „Bretthaltung“

B5&6 Der richtige Rotations-Stoβ für die Flugphase beim Flop ist keinesfalls eine Mischung aus zwei konkurrierenden Rotations-Stöβen. Der Körper soll nicht um seine Längsachse rotieren und auch nicht um seine Querachse, sondern um die Latte herum, damit der Oberkörper hinter der Latte absinkt und dadurch das Becken und die Beine Höhe gewinnen. Die Achse dieser Rotation liegt also (mit bestimmten, geringen Abweichungen parallel zur Latte. Und das entspricht in der Absprunghaltung und Absprunglage der Körper-Tiefenachse.

Das SCHWUNGBEIN soll also keinen Drehimpuls im Sinne einer Schraube oder Pirouette erzeugen. Dieser bliebe ja während des ganzen Fluges erhalten und würde zu einem wilden Schraubensalto führen. Und derart von der Latte weggeführt, würde sein Beitrag zum Höhengewinn verloren gehen.

Und OBERKÖRPER und KOPF sollen keinen Drehimpuls nach rückwärts erzeugen, denn da liegen nicht Latte und Matte sondern da steht der Ständer. Bei solchen fehlgeleiteten Versuchen bleiben sie vielmehr hinter dem Absprungstoβ des Sprungbeines zurück, anstatt von ihm in die Flugrichtung beschleunigt zu werden. Und auβerdem verhindert dies natürlich das einleiten der richtige Rotation.

Und wenn auf diese Weise das Schwungbein seine Hüfte und das Becken aus der Sprungrichtung von der Latte wegführt, dann ist das Resultat ein verzweifeltes Gewürge, wie es mehrheitlich auf allen Sportplätzen dieser Welt zu beklagen ist.

Bei manchen Schülern sieht es aber auch schon mal ganz manierlich aus. aber wenn man genau hinschaut, muss man feststellen, dass sie den Sprungfuβ quergestellt aufsetzen, weil sie viel zu früh den Rücken zur Latte wenden und dann einen Rückwärtssalto machen. Alles Folgen der klassischen Unterweisung mit Standflop rücklings-rückwärts und Steigesprünge mit Schraube.

B7 Wenn die Flugrotation um die Latte herum richtig eingeleitet worden ist, dann steigen die Beine bevor sie überqueren ohne weiteres Zutun. eine Klappmesserbewegung ist dann nicht nötig. Damit die Waden nicht die Latte berühren genügt es, die bis dahin gebeugten Knie leicht zu strecken und, falls die Hüfte gestreckt oder gar überstreckt ist, diese Spannung jetzt einfach aufzugeben.

Bei richtiger „Raumaufteilung“, wenn also der Fluggipfel genau über der Latte liegt, oder sogar etwas davor, gibt es dabei keinerlei Problem. Leider erreichen aber die meisten Anfänger ihre gröβte Flughöhe erst weit hinter der Latte, und die Beine reiβen, bevor sie überhaupt Höhe gewinnen konnten. Dann ist das spontane Klappmesser ein verzweifelter Rettungsversuch. Dies macht es aber nicht zu einem sinnvollen Technik-Merkmal.

Das Erlernen des Fosbury-Flop steht und fällt also mit der richtigen Flugrotation. Und dieses Problem wird weder in der klassischen Technikbeschreibung noch in der entsprechenden Lehrmethodik gelöst. Und so scheitern bis auf wenige geniale Ausnahme-Talente allesamt gleich am Anfang oder bleiben irgendwo auf dem Weg in scheinbar unlösbaren Schwierigkeiten stecken.

Wer aber bereit ist, sich wenigstens für eine Weile von alledem abzuwenden und bessere Alternativen für möglich zu halten, der findet im Folgenden eine ganze Reihe praxisbewährter Hinweise.

ANWENDUNG IN DER METHODIK (M1-4)

Wenn man eine Zielbewegung richtig und klar definiert hat, ergeben sich die methodischen Mittel und Schritt eigentlich wie selbstverständlich.

M1 Anlauf/Absprung-Schulung

Laufspiele in durch Kurven und in Schlangenlinien. Mopedfahren: einer „fährt“ vor. Keine Haken schlagen sondern Rundungen laufen. Leise Laufen heiβt, nur den Vorderfuβ aufsetzen. (Laut sind Nashörner und Nilpferde. Leise sind Gazellen und Leoparden.) Und dabei die Füβe nur auf den Kanten aufsetzen. Sich an die Querbelastung gewöhnen. Zweierrhythmus vorgeben und mit dem Sprungfuβ Marken am Boden treffen. Der richtige Absprung besteht aus zwei Schritten mit Betonung auf dem vorletzten. Und man hat zwei Beine, also ist der Dreierrhythmus nicht zu empfehlen.


An der Anlage zunächst ohne Latte 6 Anlaufschritte vorgeben. Sprungfuβ auf der Ablaufmarke. (Alle springen zunächst links und dann auch alle rechts.)

Drei Schritte geradeaus leicht am nahen Ständer vorbeizielend, dann in die Kurve legen, vorletzter Schritt auf den Kastendeckel (30cm H), letzter Schritt auf den Kastenbock (40cm H). Mit einem Schrittsprung in Kurvenalge auf die Matte und Weiterlaufen um den fernen Ständer herum und hinten Anstellen. Intensiver: Noch 1-2 Runden um die Gruppe und die Anlage herumtraben und Kurve Üben.

Später kann für den letzten Schritt anstatt der Kästen ein Reutherbrett als Absprunghilfe für mehr Höhengewinn, Fallhöhe und Fluggefühl dienen.

Legt man nach einigen Versuchen eine Latte auf oder spannt man die altbewährte Zacharias-„Latte“, entsteht spontan der Schersprung. Dieser soll aber mit gebeugten Knien ausgeführt werden und während des gesamten Fluges soll die Kurvenneigung beibehalten werden. Dies ist eine Vorübung für den Flop-Absprung, wo die Kurvenneigung für die Einleitung der Flugrotation notwendig ist

Der Schersprung ist eine eigenständige Technik, in der auch ein Wettkampf durchgeführt werden kann.

M2 Flugrotation

Um die richtige Flugrotation erlernen zu können, muss man erst einmal richtig landen lernen. Solange man Angst vor der Landung hat, wird man nicht richtig abspringen und drehen. Die richtige Landefläche am Körper ist nicht der untere Rumpf (Lenden und Po), sondern der obere Rücken, also auch Nacken und Hinterkopf. Viele Anfänger müssen sich Schritt für Schritt gewöhnen. Wenn nicht, werden sie mit dem Flop weder Freude noch Erfolg haben. Überwinden sie dagegen die anfänglichen Widerstände, fühlen sie sich mutig und stolz und lernen den Flop mit erstaunlicher Leichtigkeit.

Man fängt also ganz langsam an mit Umfallen. Dabei muss man als erstes die Hüfte bis nach der Landung gestreckt halten und die Knie gebeugt.

Man stellt sich also mit dem Rücken 50cm vor die Mattenkante, beugt die Knie, schiebt die Hüften vor und lässt die Schultern langsam auf die Matte sinken. Dabei richtet man den Blick über eine (später die schwungbeinseitige) Schulter hinweg auf die Matte.

Wenn das klappt macht man dieselbe Übung aber auf der Matte stehend.

Als nächstes spannt man ein Lattenersatzband mittig quer über die Matte, zunächst nur 40cm Hoch, sodass man während des Umfallens ein wenig abspringen muss, damit die Schultern stärker fallen und dadurch die Füβe Höhe gewinnen. Dies aber nicht mehr in rückwärtiger sondern in seitlicher Aufstellung!


Man springt mit Seitwärtsrotation ab und verfälscht diese einwenig, sodass man nicht auf der Schulterseite, sondern auf dem Schulterblatt landet. Wenn das klappt kann man das Band immer höher spannen, und den Absprung mit leichtem Anhoppsen verstärken.

Wichtig ist aber nicht die überquerte Höhe
sondern die richtige Rotation und Landung.

Das Günstige an all diesen Übungen auf der Matte ist, dass wir eine groβe Fallhöhe haben und dadurch Zeit genug, die Rotation zu vollziehen und zu erleben. Wenn wir jetzt festen Boden unter den Füβen haben wollen, müssen wir auf einen Kastenbock oder doppelten Kastendeckel steigen. So bringt uns der Absprung zu gröβeren Flughöhen, ohne auf die groβe Fallhöhe verzichten zu müssen.

Die Latte hat anfangs wieder nur Knie- bis Hüfthöhe und befindet sich etwas hinter der Mattenkante. dies beugt Ängsten vor, die einen Sprung weit hinter die Latte motivieren würden. Der Kasten steht aber in einiger Entfernung von der Matte. So kann man sich daran gewöhnen, dass die erste Hälfte des Fluges, also die Steigephase bis zur Latte, nicht über der sicheren Matte stattfindet sondern über dem beängstigenden Abgrund zwischen Absprungstelle und Mattenkante.

Nur wer diese mentalen und emotionalen Widerstände überwindet (oder erst gar nicht hat), kann richtig Floppen lernen. Wenn man diesem Lernprozess keinen Platz und keine Zeit einräumt, werden alle späteren Bemühungen unbefriedigend bleiben.

Wenn man richtig Flop springt, also in der richtigen Haltung an der richtigen Stelle landet, dann kann man nach der Landung die Füβe sofort und bequemem vor die Matte auf den Boden stellen und unter der Latte hindurch aufstehen. Wenn man also vom Kasten aus übt, kann man nach jedem Sprung direkt wieder aufsteigen, den nächsten Versuch machen und grad wie beim Hürdenlauf 5-10 Versuche aneinanderreihen.

Begabte Schüler können sich daran wagen, anstelle des Kastens ein Trampolin zu benutzen. Es muss aber von der Latte weggeneigt sein, sonst geht der Flug zu sehr in die Weite. Diese Neigung simuliert auch die spätere Kurvenneigung. Man kann auf einem Kastendeckel in Trampolinhöhe 2 Schritte vorwärts angehen und beim beidbeinigen Einspringen in das Tuch eine halbe Wende machen, um so wieder in die seitliche Aufstellung zu gelangen.

Schüler mit mehr Sprungkraft machen dieselbe Übung ohne Kasten aber mit Reutherbrett und am Ende ganz ohne Hilfen. Und immer ist nach jedem gelungenen Sprung das direkte Aufstehen unter der Latte hindurch Teil der Übung.

Viele Schüler schaffen beim beidbeinigen Flop seitlings seitwärts mit steilem Anlauf ihre besten Leistungen, zumindest solange sie den einbeinigen Flop mit Kurvenanlauf nicht beherrschen.

Man kann vom beidbeinigen Flop mit steilem Anlauf auch auf einbeinig umstellen.

Dabei erlebt man am deutlichsten, dass die Wende um die Körperlängsachse nicht schon vor oder während des Absprungs geschieht, sondern erst während des Fluges,

also während man dank richtiger Rotation um die Latte herum mit der Körperlängsachse die Waagerechte gelangt.

M3 Aufschaltung

Wer beides getrennt beherrscht, die Schere mit Kurvenanlauf und in Kurvenneigung und beidbeinigen Flop ohne und mit Anlauf, der wird wenig Mühe haben, sie zum „perfekten“ Flop zusammenzufügen,

Und am Ende eines Lernweges voller lustiger Erfolgserlebnisse, wenn es dann wirklich der Po ist, der am tiefsten hängt und reiβt, darf ein wohlgetimetes Überstrecken der Hüfte angeraten werden.

M4 Tip

Selbstverständlich benutzen wir in der Anfängerschulung nicht die Wettkampflatte. Das ständige Fallen und Wiederauflegen kostet zu viel Zeit. Verletzungen drohen und hemmen die Bewegungsfreude. Und die Sorge um das bloβe „Rüberkommen“ stört die Konzentration auf das eigentlich technische Lernziel.

Zauberschnüre und andere Gummibänder müssen oft als Lattenersatz herhalten, obwohl sie dazu nur wenig taugen. sie nicht gut zu sehen. Während man darauf zuläuft sind sie schwer zu orten. Wenn man sie berührt merkt man’s kaum, und wenn man sie mitreiβt¨, fallen die Ständer um. Sie sehen der richtigen Latte auch überhaupt nicht ähnlich und geben kein motivierendes Bild ab. Deshalb hab ich schon für meine Diplomarbeit 1975 die Zacharias-„Latte“ entwickelt. Es ist ein schwarz/gelb-gefärbter Folienschlauch, der dank seiner elastischen Aufhängung über einen Meter weit nachgibt, und dessen Sicherheitsaufhängung sich nur bei gänzlich missratenen Versuchen lösen.

Damit das Schlauchband im Wind nicht flattert, ist der Typ „Super“ aufblasbar. Dadurch sieht es auch noch mehr so aus wie die richtige Latte.

Wer mit diesem Lattenersatzgerät gelernt und trainiert hat, dem fällt das Umstellen auf die normale Latte nicht schwer. Und wer das trotzdem nicht will, den sollte man auch nicht dazu drängen. Flop bleibt Flop.

SCHLUSS

Wer den Fosbury-Flop als Rückwärtssprung definiert und Bogenspannung über der Latte für das unerlässlichste seiner Merkmale hält, der lehrt an der Basis den Standflop rücklings-rückwärts und verbaut damit total den Weg zu einer eleganten und ökonomischen Technik. All die Einfachheit, die den Flop doch so attraktiv macht, geht damit verloren. Und anstatt dessen entstehen verdrehte und verkorkste Sprungversuche, die viel Kraft kosten und wenig Höhe zulassen und aus denen durch noch so viel Üben und Korrigieren niemals ein richtiger Flop werden kann.

Vorwärts aus der Kurve gesprungen, seitwärts gedreht, rücklings überquert und ohne Zappeln um die Latte geschlängelt, mit dem kontrollierenden Blick auf Körper und Latte gerichtet und daher bewusst erlebt und gesteuert ist es dagegen genau … Dick FOSBURYs FLOP!

Dick FOSBURY war ein absolutes Hochsprung-Genie. Nicht nur, dass er mit seinem „Rückwärtsflug“ die gesamte Hochsprungwelt düpierte und auf den Kopf stellte und ausgerechnet bei Olympia (Mexiko 1968) seine Bestleistung sprang und mit dem Sieg dermaβen auf die Pauke gehauen hat. Er brachte es mit seiner Technik gleich zu einer solchen Perfektion, dass er für immer und ewig technisch und stilistisch unübertroffenes Vorbild sein wird. Nur wenige erreichten nach ihm sein Niveau. Dwight STONES und Dietmar MÖGENBURG und einige weniger berühmte.

Schau Dir hier mal genau an was er macht. Beim Abheben liegt das Schwungbein parallel zur Latte. Den Innenarm (links) führt er nicht in Sprungrichtung, zur Latte oder in irgend eine Drehung hinein, sondern er führt ihn zurück um eben eine Drehung um die senkrecht stehende Körperlängsachse zu vermeiden.

Auf dem zweiten Bild ist er schon 50cm vom Boden weg. Die linke Hüfte hat sich aber erst ganz leicht nach vorne geschoben. von Schraube also keine Spur. Vielmehr kippt die Schultergürtelachse zur Latte hin, sodass die rechte sich über die linke hebt. Gleichzeitig streben linke Schulter und Hüfte auf einander zu und geben dem Rumpf eine Krümmung seitwärts in Richtung Latte. Diese Haltung ist das sichtbar gewordene Resultat innerer Kräfte, die während der Endphase des Absprungs wirken. Und zwar aus der Kurvenneigung heraus seitwärts um die Latte herum. Indem er sich in Richtung Latte krümmt, verlagert er seinen Körperschwerpunkt nach links, sodass die Kraft des Sprungbeines beim Abstoβ etwas rechts am Körper vorbeigeht. Und dieser exzentrische Stoβ von auβen bewirkt die Flugrotation nach innen, eben zur Latte hin und um sie herum.

Auf Bild 3 zeigt immer noch die linke Schulter mehr zur Latte als der Rücken. . Und nicht einmal beim Überqueren hat diese feingesteuerte Wende das Achtel einer vollen Umdrehung erreicht. Deshalb nenne ich sie auch nur „eine geringe Verfälschung des reinen Seitwärtssaltos“.

Obwohl die Kamera in Bodennähe steht, und FOSBURYs Brust sich auf dem vierten Bild höher als 2,30m befindet, Kann man noch den Buchstaben A von USA sehen. Schultergürtelachse und Beckenachse liegen also nicht ganz parallel zur Latte. Und zwar deshalb, weil es wichtiger ist, beim Absprung nach vorwärts zu streben und Höhe zu gewinnen, als durch Querrotationen die absolute Symmetrie über der Latte zu suchen. Vielleicht wäre es in diesem Sinne noch effektiver, den linken Arm bei gleicher Schulterführung als Schwungelement nach oben einzusetzen, aber auch so erzeugt er Auftrieb, ähnlich dem Gegenarmschwung beim Weitsprung.

Erst wenn auf Bild 4 der Po die Latte erreicht, hebt FOSBURY das Becken in die Bogenspannung. Und zwar ganz in Ruhe, ohne Ruck noch Übertreibung, da er dank Blickkontakt mit Beinen und Latte alles unter Kontrolle hat. Schau in sein Gesicht: Die totale Gelassenheit.

Um auf Bild 5 die Beine über die Latte zu heben, genügt es ihm, das Becken wieder fallen zu lassen, denn seine Flugrotation ist so gut getroffen, dass die Beine ohne weiteres Zutun weit mehr als nötig Höhe gewinnen. Wenn er jetzt ein Klappmesser machen würde, käme ein voller gebückter Salto rückwärts heraus.

Schau auch auf die geniale Raumaufteilung: Wie viel Platz er vor der Latte hat, um erst einmal zu steigen und den Körper in die Waagerechte zu bringen. Wahrscheinlich liegt der Gipfel der Flugbahn sogar etwas vor der Latte. Dadurch haben die Beine viel Platz, auch wenn Schultern und Po knapper überqueren.

Bei einer so flieβenden, eleganten, ja spielerischen Bewegung war es kein Wunder, dass alle Welt dachte: „Das kann doch jeder!“

Heute weiβ ich, dass es überhaupt nicht einfach ist. Und doch kann es fast jeder einigermaβen erlernen. Aber eben nur, wenn er nicht nach falschen Vorstellungen angeleitet wird. Ich finde, Lehrer, Trainer, Übungsleiter und Ausbilder sind ihren Schülern und Schützlingen gegenüber verpflichtet, die hier vorgebrachten Erkenntnisse zu verstehen, zu berücksichtigen und zu verbreiten.